Projekt

nowe_logo_KZKO.com
    

 Ziel des Projektes Multikulturelle Erinnerung und Beständigkeit der Spuren . Czernowitz in der Bukovina ist eine Probe, die Spezifik der Kultur der Erinnerung in Czernowitz in der Ukraine zu erfassen. Die angewendete Methodologie, Aktivitäten sowie internationaler (polnisch-ukrainischer) Charakter des Teams sollen einen offenen Dialog über die Vielfalt der Formen der Kollektiverinnerung ermöglichen, deren Bedeutung und Form Ergebnis historischer Ereignisse, politischer Transformationen und auch des gegenwärtigen kulturellen und religiösen Zusammenhangs sind.

 Die nördliche Bukowina, die zur Zeit in der Ukraine liegt, mit der Hauptstadt der Region - Czernowitz, ist ein Gebiet, das im 20. Jh. immer ein Grenzgebiet oder eine Peripherie verschiedener Staaten war. Mehrfache Änderungen von Grenzen und eine Mosaik von Kulturen machen diese Region einzigartig. Die periphere odere Grenzlage hat aber auf diesem Gebiet eine besondere politische und militärische Gewalt verstärkt, die die Religionsgemeinschaften und ethnische Gemeinschaften dem Verlust der Dauerhaftigkeit aussetzte. Nach den traumatischen Ereignissen des 20. Jhs. wurde Bukowina zu einem handfest erreichbaren Bezugspunkt für die Erinnerung der Gemeinschaften, die infolge des 2. Weltkriegs die Ausrottung oder zwangshafte Umsiedlungen erfahren haben. Für diese Gemeinschaften ist Bukowina ein wichtiger Bezugspunkt und Quelle der Identität. Nach 1989 und dem Zusammenbruch des „eisernen Vorhangs” beginnt der Wiederaufbau dieser Gemeinschaften zum größten Teil dank den ehemaligen Einwohnern dieser Gebiete, die eine „Kultur der  Erinnerung“ in Israel, Kanada, Polen oder in Deutschland gepflegt haben. Diese Vorgänge, die mit der Globalisierung zusammen hängen, sind oft mit der Erinnerung verbunden, die für „Erkennung“ durch die jetzigen Einwohner der Bukowina der vergessenen oder von der sowjetischen Geschichtspolitik geheim gehaltenen Vergangenheit günstig ist.

 

jjjjk__Medium_.JPG
 

Aber die Religionsgemeinschaften, die infolge des 2. Weltkriegs nicht so sehr gelitten haben wie Juden oder Armenier, haben die Gewalt seitens der sowjetischen Macht erfahren, die die Politik des Atheismus durchsetzen wollte.

Die Analyse der Erinnerungsschichten, verstanden als besondere und unwiederholbare Erzählungen über Geschichte einzelner religiösen Gemeinschaften, macht auf Bedeutung der Erinnerung auf der Ebene der Ontologie aufmerksam, indem sie die Individuell- und Kollektiverfahrung der historischen Ereignisse auf die sakrale Geschichte aufsetzt. Auf diese Weise wird das gesellschaftliche Geschichteerlebnis durch Bezüge an paradigmatische religiöse Ereignisse schöpferisch reinterpretiert, Ereignisse, die oft ihren Ausdruck in der Feststellung der Wiederholbarkeit zwischen der sakralen Geschichte und dem gesellschaftlichen Leben finden. Wiederholung, die eine Art des Funktionierens der Erinnerung ist, flechtet sich mit der religiösen Erinnerung zusammen, die bei den religiösen Bräuchen, praktiziert in Gotteshäusern und Bethäusern, real wahr wird. Geschichte und Bedeutung der Architektur und der mit dem religiösen Kult zusammenhängenden Plätze ist zugleich die Geschichte von Mikrokosmos und Makrosmos und die räumlichen Verhältnisse in der Stadt finden ihre Übersetzung auf gesellschaftliche, kulturelle und politische Beziehungen, die wichtige Maßstäbe der Identität sind. So verstandene Erinnerung ist nicht nur ein Bestand an gesellschaftlicher Praxis, sondern auch eine Sammlung von konkreten Gegenständen und die gesellschaftlicher Erfahrung der Architektur gibt ihr den Status eines Zeugnisses und wird zu einem wichtigen Bezugspunkt.  

Die Methodologie der während der Projektes realisierten Aktivitäten wird auf so genannten „erzeugten Quellen“ (biographische Interviews, Erzählungsinterviews) basieren, die mit der visuellen Dokumentation (Photostory) verbunden sind . Die Methodologie wird die Voraussetzungen der Hermeneutik von  H. G. Gadamer verwenden, indem sie die Spezifik des polnisch-ukrainischen Untersuchungsteams nutzen wird. Sie wird dadurch anerkennen, dass ein Gespräch über Geschichte ein unvergessliches Treffen von zwei Menschen ist und derjenige, der Fragen stellt, das persönliche und ehrliche Einschalten in den Dialog nicht vermeiden kann (reflexive Haltung - reflexive). Es werden auch fieldnotes und headnotes genutzt- unformelle Notizen und Überlegungen, die bei der Realisierung des Projektes entstehen und die bewusste und verantwortliche Beteiligung am Projekt ermöglichen. Die mit den Einwohnern von Czernowitz geführten Gespräche werden Schicksal der religiösen Gemeinschaften des 20. Jahrhunderts betreffen, mit besonderer Berücksichtigung des städtischen Raumes und Gegenstände (Familienandenken und auch z.B. Liturgiegegenstände) verstanden als Erinnerungsausdrücke, dessen Schicksal man als Metonymie der Geschichte ganzer Gemeinschaften betrachten kann.